Bildinformation Forel Klinik Ellikon a.d. Thur, Gebäude Eiche

Die neu im Gebäude Eiche ausgestellten Werke stehen in enger Verbindung mit der Tradition der Forel Klinik und ihrer waldreichen Umgebung. Dem Leitmotiv „Baum – Wald – Natur“ folgend fügen sie sich harmonisch in die Innenräume der Klinik ein und prägen ihre Atmosphäre spürbar, indem sie eigenständige thematische Akzente setzen und unterschiedliche Perspektiven auf Natur und Mensch eröffnen.

Inhaltlich greifen die Arbeiten zunächst die zeitliche und historische Dimension von Lebewesen auf. Der Baum steht als Symbol für Lebensenergie und Wachstum – zugleich verweist seine begrenzte Lebensdauer auf Fragilität und Vergänglichkeit. Darüber hinaus thematisiert der Motivkomplex auch die räumliche Dimension sowie unsere Beziehung zu Bäumen, Wäldern und Natur insgesamt. Einbezogen sind künstlerische Positionen, die sich mit wissenschaftlichen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Vorstellungen von Natur auseinandersetzen – und diese hinterfragen.

 

 

  • Markus Bühler
  • Waldbilder. Totentäli bei Wülflingen, 580 m ü. M., 2022
  • Pigmentdruck (Fine Art Print) auf Hahnemühle Photo Rag
  • 60 × 80 cm

  • Markus Bühler
  • Waldbilder. Wolfensberg bei Veltheim, 530 m ü. M., 2022
  • Pigmentdruck (Fine Art Print) auf Hahnemühle Photo Rag
  • 60 × 80 cm

Wo der Wald langsam spricht

Die fotografische Arbeit von Markus Bühler konzentriert sich seit über zwanzig Jahren auf zwei Themen: das Leben der Inuit in Grönland und den Wald. Dabei interessieren ihn nicht spektakuläre Landschaften oder Lebensweisen unter aussergewöhnlichen Bedingungen, sondern die nüchterne, authentische Ausstrahlung seiner Motive, die sich erst bei intensiverer Betrachtung entfaltet. In seinen Inuit-Dokumentationen zeigt Bühler das Leben der Gemeinschaft, das einem eigenen Rhythmus folgt und von grosser Verbundenheit mit der Natur und Respekt gegenüber der Umwelt geprägt ist. Bühler fängt in seinen Bildern Alltagsszenen ein und verzichtet dabei bewusst auf romantisierende Überhöhung. Aus demselben Grund üben seine Waldfotografien eine besondere Faszination aus: Selbst vertraute Landschaften offenbaren bei längerem Betrachten eine Welt unendlicher Variationen. Farbtöne, Äste und Blattformen fügen sich zu einer harmonischen, organischen Ordnung.

Wie tiefgehend Bühlers Auseinandersetzung mit dem Thema ist, verrät der beim AT Verlag erschienene Bildband «Waldbilder», dessen Fotografien über Jahre hinweg auf Streifzügen durch den Wald entstanden sind. Bühler hält in seinen Bildern das Zusammenspiel von Licht und Vegetation auf eine Weise fest, die das Vertraute fremd und scheinbares Chaos geordnet erscheinen lässt. Durch extrem feine tonale Abstufungen der winzigen Blätter entsteht eine spannungsvolle Dreidimensionalität, die die Waldatmosphäre – Licht, Feuchtigkeit und Wind – beinahe physisch spürbar macht. Da der Band Fotografien von denselben Orten bei unterschiedlichem Wetter und zu verschiedenen Jahreszeiten enthält, entdeckt man beim Betrachten nicht nur wiederkehrende Strukturen, sondern wird zugleich für die Vielfalt und Schönheit des Waldes sensibilisiert. Die ausgestellten Bilder «Totentäli bei Wülflingen» und «Wolfensberg bei Veltheim» stammen aus der Umgebung von Winterthur.

 

  • Markus Bühler
  • Im Jahr des Waldes, Gefilmte Fotografie, 2022
  • 28 Min. bewegte Bilder

Im Fluss der Zeit

In der Videoinstallation «Im Jahr des Waldes» bündelt Bühler seine Naturbeobachtungen. Das Werk zeigt die Veränderungen von Licht, Wetter und Jahreszeiten in einem kontinuierlichen Rhythmus und offenbart die stetige Bewegung des Waldes. Wiederkehrende Aufnahmen derselben Waldabschnitte über ein Jahr hinweg machen einen Zyklus beobachtbar, der zugleich eine statische und eine dynamische Dimension hat: Obwohl die Kamera immer dasselbe Motiv aus der derselben Perspektive fokussiert, wird der Wald zum Akteur und entfaltet sein eigenes Schauspiel. Der scheinbare Widerspruch von Regungslosigkeit und gleichzeitiger Veränderung erzeugt eine meditative Stimmung.

Markus Bühler (*1969) lebt und arbeitet in Zürich. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen an der Kunstgewerbeschule Zürich war er von 1999 bis 2004 Mitglied der Agentur Lookat und arbeitet seither freiberuflich. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kodak Award (Arles, 1993), dem Premio Grazia Neri (Mailand, 1998) und dem Swiss Press Photo Award (1999, 2002). Zu seinen wichtigsten Ausstellungen zählen «Inuit – Life at the Edge of the World» (NONAM Zürich, Lindenmuseum Stuttgart, 2007, 2008) und «Im Jahr des Waldes. Gefilmte Fotografie» (Fotofestival Lenzburg, 2024). Bühler arbeitet für Agenturen, Unternehmen, Zeitungen und Zeitschriften und realisiert gleichzeitig eigene langfristige Projekte.

  • Pedro Blas
  • Chromatic Eclipse, 2024
  • digital bearbeitete Fotografie, 50 x 50 cm

Zwischen Analog und Digital

Die Leidenschaft für Licht, Farbe und Bewegung hat Pedro Blas bereits in seiner Kindheit entwickelt, inspiriert von den farbfrohen Landschaften Venezuelas. Die Beobachtung der sich ständig verändernden Farben des El Ávila-Berges und des Caracas-Tals stärkten seine sensorische Verbindung zur Natur und wirkten prägend auf seine Kunst. Den Eindruck von Bewegung und Wandelbarkeit in der Natur versucht Blas nicht nur in seinen künstlerischen Arbeiten einzufangen, seine Umsetzung im Grafikdesign führte für ihn zu grossem Erfolg und brachte ihm Aufträge für internationale Marken ein. Beeinflusst von der kinetischen und optischen Kunst von Carlos Cruz-Diez und Jesús Rafael Soto verbindet Blas traditionelle malerische Ansätze mit digitalen Technologien. Der Entstehungsprozess der «Chromatic Eclipse» ist eine faszinierende Reise von mathematischen Funktionen zur physischen Sensation. Im virtuellen Raum entwickelt der Künstler mithilfe spezialisierter Software komplexe Algorithmen zur Erzeugung von präzisen Farbrastern und chromatischen Linienstrukturen, die den Eindruck von rhythmischer Bewegung hervorrufen. Der entscheidende Schritt zur kinetischen Kunst erfolgt schliesslich bei der Kaschierung: Das angefertigte Bild wird unter einer Schicht aus hochwertigem Acrylglas versiegelt, die eine schützende Schicht bildet, die Farben zum Leuchten bringt und dem Bild Tiefe verleiht. Erst durch das Zusammenspiel von geometrischem Muster und Licht entsteht beim Betrachten im Vorbeigehen der Bewegungseffekt: Die Farben scheinen zu schwingen und das statische Bild wird optisch lebendig.

Pedro Blas (*1968) ist ein international tätiger Künstler. Nach seinem Abschluss am Instituto de Diseño in Caracas im Jahr 1993 arbeitete er zunächst als Grafikdesigner für internationale Unternehmen. Bevor er sich vollständig seiner Karriere als Künstler widmete, war Pedro Blas über viele Jahre in leitenden Positionen im Bereich Marketing und Kommunikation für Epson in Lateinamerika tätig. Blas war unter anderem Resident Artist bei Fawoo in Seoul (2008–2012). Seine Werke, darunter der 2. Preis beim Kunstwettbewerb des Tages-Anzeigers (2006), wurden mehrfach ausgezeichnet und 2019 war er Finalist des Artbox.Project Miami im Rahmen der Art Basel Miami.

  • Isa Dahl
  • Bloom 1, 2022
  • Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm

Pulsierendes Naturerlebnis

Die seit 2021 entstehende Werkserie «Bloom» nimmt im Œuvre von Isa Dahl eine besondere Stellung ein. Abstrakte Kompositionen aus sich von der Bildmitte aus entfaltenden Farbfeldern überlagern sich zu komplexen, dichten Strukturen. Über den Titel stellt die Künstlerin einen Bezug zum biologischen Prozess des Blühens her und verortet die Arbeiten bewusst im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Während zahlreiche Werke der Serie durch starke Farbkontraste geprägt sind, intensiviert die hier präsentierte Arbeit durch eine überwiegend in verschiedenen Grünschattierungen gehaltene Farbigkeit die Assoziation mit Natur. Charakteristisch ist die von Isa Dahl häufig verwendete Nass-in-Nass-Maltechnik (Lasurtechnik): Transparente, nahezu leuchtende Farbschichten werden in rhythmischen, kreisenden Bewegungen übereinandergelegt und verdichten sich zu pulsierenden Bildstrukturen. Ohne konkrete Landschaften darzustellen, eröffnen Dahls Arbeiten einen Resonanzraum für natürliche Phänomene. Assoziationen mit Windbewegungen, Strömungen, vegetativen Anhäufungen oder sich öffnenden Blüten sind in den abstrakten Formationen angelegt. Der reduzierte und zugleich dynamische Pinselduktus spiegelt ein Naturverständnis wider, das von fortwährender Erneuerung geprägt ist, und lässt zugleich ein üppiges wie undurchdringliches Bildgefüge entstehen. Die kontemplative Betrachtung ist ein wesentlicher Teil von Dahls künstlerischem Ansatz. Rhythmische Bewegung und Wiederholung erzeugen in ihren Werken eine Intensität, die den Blick in eine faszinierende Bildwelt hineinzieht.

Isa Dahl (*1965) studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Peter Grau und Erich Mansen sowie als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf bei Dieter Krieg. Ihr Werk wurde früh durch bedeutende Auszeichnungen gewürdigt, darunter der der Oberschwäbische Kunstpreis (1997), der Karl-Schmidt-Rottluff-Preis (1998) und der Förderpreis des Künstlerbundes Baden-Württemberg (1999). Es folgten zahlreiche Stipendien, Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen in Museen, Galerien und Kunstvereinen.

  • Ania Nawrocka
  • Interconnection, 2025
  • Eiche, 90 x 90 x 2.5 cm

Wellen desselben Meeres

Die äusserst minimalistische Wandinstallation «Interconnection» ist eine aus massiver Eiche geschnitzte Arbeit (Carving), die die natürliche Struktur und die rhythmische Form der Holzmaserung aufnimmt und daraus neue Bedeutungsebenen entstehen lässt. Inspiriert von den Worten des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca – Wir sind Wellen desselben Meeres, Blätter desselben Baumes, Blumen desselben Gartens – übersetzt die Arbeit ein philosophisches Naturverständnis in eine haptisch erfahrbare Form. In das Holz eingeschnittene, sich wiederholende geschwungene Linien strukturieren die Oberfläche und verweisen auf kontinuierlich und zyklisch wiederkehrende Wellenbewegungen. Das Werk besteht aus zwei identischen Halbkreisen, die vertikal und spiegelverkehrt zusammengefügt sind. Dadurch entsteht ein gegenläufiger Rhythmus: Auf der rechten Seite breitet sich der Wellenschlag von oben nach unten aus, während er sich auf der linken Seite in umgekehrter Richtung entfaltet. Dennoch verbinden sich die beiden Hälften zu einem harmonischen, untrennbaren Ganzen. Die Materialität der Eiche bleibt bewusst sichtbar und spürbar. Die Oberflächen der erhabenen Wellenstrukturen sind mit feinen Schraffuren versehen und erzeugen, ohne dass man sie berührt, eine taktile Wahrnehmung. Licht und Schatten reagieren sensibel auf die reliefartige Struktur und lassen das Werk je nach Blickwinkel lebendig erscheinen.

Ania Nawrocka arbeitet als Künstlerin und Mode- und Objektdesignerin. Gemeinsam mit ihrem Mann Paweł gründete sie das Designstudio Navdesign in Siercza, Polen, das von der Natur inspirierte und zugleich funktionale Objekte entwickelt.

 

  

  • Josef Felix Müller 
  • Lichtung (Mittag), 2004
  • Lithografie, 60 x 80 cm

  • Josef Felix Müller 
  • Lichtung (Abend), 2004
  • Lithografie, 60 x 80 cm

Natur als Raum der Selbstreflexion

«Lichtung» ist eine druckgrafische Serie, die denselben Waldabschnitt zu drei unterschiedlichen Tageszeiten – am Morgen, am Mittag, am Abend – einfängt. Veränderungen in Farbintensität sowie des Hell-Dunkel-Kontrasts der Äste und der Wolkenformationen lassen die verstreichende Tageszeit als flüchtigen, momenthaften Zustand erfahrbar werden. Dieses Gefühl der Momentaufnahme hängt unter anderem damit zusammen, dass die Arbeiten auf fotografischen Vorlagen basieren. Wie die Titel vieler seiner Arbeiten, z.B. «Lichträume», «Abend» oder «Spiegelung», andeuten, stehen nicht klar definierbare Formen, sondern wandelbare, beinahe immateriell erscheinende Naturereignisse im Mittelpunkt seiner Malerei. In der Werkserie «Lichtung» beschränken sich die Bildmittel auf das Dickicht der Bäume und den Raum, den sie umgeben. Bei der Lichtung handelt es sich hier nicht um einen Ausblick, sondern um einen hellen Fleck innerhalb eines dichten Geflechts aus Geäst und Unterholz. Während der Licht-Raum seine Form erst im Verhältnis zu den umgebenden Elementen entfaltet, wirken die Silhouetten der Äste wie abfotografiert und bilden dennoch gleichzeitig eine freischwebende abstrakte Farbfläche, die Raum und Wahrnehmung hinterfragt. Sie sind erkennbar und dann auch wieder dem Blick entzogen. Formen stellen sich als temporär dar, sie sind schwer zu fassen: Aus der Distanz wirken die Szenen fast plastisch und realistisch, bei näherer Betrachtung lösen sie sich jedoch in übereinandergelegte Farbflächen auf. Verschiedene Grüntöne sind nach Hell-Dunkel-Kontrasten geschichtet, während die sichtbaren Fingerabdrücke des Künstlers den malerischen Akt und zugleich den abstrakten Charakter der Arbeiten betonen. Die Grenze zwischen dem fotografisch Fassbaren, dem ins Malerische Übersetzte und dem, was allein den Bedingungen der Natur folgt, wird bei der Betrachtung bewusst erfahrbar.

Josef Felix Müller (*1955) absolvierte zunächst eine Lehre als Stickereizeichner und wandte sich danach autodidaktisch der bildenden Kunst zu. In den 1980er-Jahren wurde er zu einer zentralen Figur der Schweizer Neuen Wilden und wurde insbesondere für seine expressiven, teils kontrovers rezipierten Holzskulpturen bekannt. 1985 gründete er den Vexer Verlag und war massgeblich an der Entstehung der Kunst Halle Sankt Gallen beteiligt. Seit den 1990er-Jahren konzentriert er sich auf Schichtenmalerei und grossformatige Darstellungen von Naturzyklen, die u. a. im Kunstmuseum St. Gallen (2003), im Helmhaus Zürich (2010) und im Aargauer Kunsthaus (2012) gezeigt wurden. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, z. B. mit dem Kulturpreis der Stadt St. Gallen (2012). Zu den von ihm erhaltenen Stipendien zählen das Kiefer-Hablitzel-Stipendium (1982) und das Eidgenössische Kunststipendium (1985).

   

  • Damien Hirst
  • Fruitful, 2020
  • Laminierter Giclée-Druck auf Aluminium-Verbundplatte, 39 x 39 cm

 

  • Damien Hirst
  • Forever, 2020
  • Laminierter Giclée-Druck auf Aluminium-Verbundplatte, 39 x 39 cm

Zwischen Blüte und Ewigkeit

Bei «Fruitful»und «Forever» handelt es sich um zwei limitierte Kunstdruckserien, die Damien Hirst 2020 veröffentlichte und die auf Nahaufnahmen seiner monumentalen Gemäldeserie «Cherry Blossoms» (2018-2020) basieren. Die insgesamt 107 Leinwände gehen aus Hirsts intensiver Auseinandersetzung mit der Materialität der Farbe und ihrer sinnlichen Wirkung hervor. In Anlehnung an die pointillistische Malerei des 19. Jahrhunderts entstehen die Bildräume aus dichten Farbklecksen in Rosa- und Weisstönen, die die blühenden Kirschbäume formen. Der pastose Impasto-Auftrag erzeugt eine grobe, plastische Oberfläche, die je nach Lichteinfall eine starke Tiefenwirkung entfaltet. In den hochauflösenden Digitaldrucken auf Metall wird diese malerische Qualität durch eine aussergewöhnliche Farbbrillanz verstärkt. Mit dem Titel «Fruitful» scheint Hirst auf den Moment höchster Vitalität zwischen Blüte und Frucht zu verweisen, während das Werk «Forever» mit einem reduzierteren Bildausschnitt und starken Farbkontrasten den menschlichen Wunsch pointiert zum Ausdruck bringt, den flüchtigen Moment der Schönheit festzuhalten.

Damien Hirst (*1965) etablierte sich in den 1990er-Jahren als Leitfigur der Young British Artists und avancierte zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Generation. 1995 erhielt er für seine provokanten Tierinstallationen den renommierten Turner Prize. Sein Werdegang ist geprägt von spektakulären Ausstellungen, darunter die Retrospektive in der Tate Modern (2012) sowie das monumentale Projekt «Treasures from the Wreck of the Unbelievable» in Venedig (2017). Hirst revolutionierte zudem den Kunstmarkt, als er 2008 ganze Werkserien direkt über das Auktionshaus Sotheby’s verkaufte und damit Rekordsummen erzielte. Heute befinden sich seine Arbeiten in bedeutenden internationalen Sammlungen wie der des Museum of Modern Art (MoMA) in New York oder der Broad Collection in Los Angeles. Mit der 2021 erschienenen Serie «The Virtues» öffnete er sich darüber hinaus erfolgreich dem digitalen Kunstmarkt und neuen Distributionsformen.

  • Damien Hirst
  • Honesty, aus der Serie The Virtues (Referenznummer H9-5), 2021
  • Laminierter Giclée-Druck auf Aluminium-Verbundplatte120 x 96 cm

Flüchtiger Moment, ewige Präsenz

Das Motiv des Memento mori bildet einen zentralen Bezugspunkt im künstlerischen Werk von Damien Hirst. Seit den frühen 1990er-Jahren setzt sich Hirst mit der Endlichkeit des Lebens auseinander und macht den Tod nicht nur zum Thema, sondern zur erfahrbaren Präsenz. Seine Arbeiten entfalten ihre Wirkung aus der Spannung gegensätzlicher Zustände: zwischen Brillanz und Verfall, materieller Opulenz und existenzieller Leere, überwältigender Schönheit und brutaler Hässlichkeit. Diese Gegensätze bestehen nicht getrennt voneinander, sondern überlagern sich und bedingen einander. In «For the Love of God» (2014) manifestiert sich diese Auseinandersetzung in der ikonischen Form eines mit Diamanten besetzten menschlichen Schädels. Die funkelnde Oberfläche verheisst Dauer und Unvergänglichkeit, während der zugrunde liegende Schädel zwangsläufig weiter verfällt. Einen noch direkteren Zugang wählt Hirst in «A Thousand Years» (1990). Die grossformatige Vitrine zeigt keinen symbolischen Tod, sondern einen fortwährenden Prozess des Sterbens. Das Werk ist in zwei Zonen unterteilt: eine enthält einen blutigen, verwesenden Kuhkopf und die andere einen Lebensraum mit Tausenden von Fliegen, die sich aus Maden entwickeln und sich innerhalb des geschlossenen Systems vermehren. Durch den Blick in die Glasvitrine fühlt sich der Betrachter in eine Laborsituation versetzt, in der er einem wissenschaftlichen Experiment beiwohnt. Eine Erfahrung zwischen Grausamkeit und Schönheit wird in diesem Moment vermittelt. Mit der Serie «The Virtues» (2021) verschiebt sich diese drastische Bildsprache hin zu einer stilleren, kontemplativen Form der Vergänglichkeitsreflexion. Die Serie basiert auf der monumentalen Gemäldereihe «Cherry Blossoms» (2018-2020) und überträgt deren Bildwelten in acht laminierte Giclée-Drucke auf Aluminiumverbundplatten. Die Darstellungen zeigen Ausschnitte blühender Kirschbäume in intensiven Farbkonstellationen. Die Arbeiten fangen die flüchtigen, farbenprächtigen Blüten ein, die sich über weit ausladende Äste erstrecken. Hirsts Faszination für die aussergewöhnliche Schönheit, die sich in der Vergänglichkeit der Kirschblüte verbirgt, spiegelt sich auch in den Werktiteln wider. 

In der japanischen Kultur steht die Kirschblüte seit Jahrhunderten für die Schönheit des Augenblicks und die Akzeptanz seiner Vergänglichkeit. Orientiert an dieser Kultur hat Hirst jeden seiner Drucke aus der Serie in Anlehnung an die von Nitobe Inazō formulierten Tugenden des «Bushido – Weg des Kriegers» benannt: Mut, Barmherzigkeit, Höflichkeit, Ehrlichkeit, Ehre, Loyalität und Selbstbeherrschung. In «Bushidō: The Soul of Japan» (1899) charakterisiert Nitobe die Kirschblüte als eine Schönheit ohne Täuschung, frei von verborgener Gewalt, stets bereit, auf den Ruf der Natur hin zu vergehen. Ihre Anmut liegt nicht in der Dauerhaftigkeit, sondern im Momenthaften. In der Serie «The Virtues» verbindet Hirst diese kulturelle Symbolik mit seiner langjährigen Beschäftigung mit Tod und Vergänglichkeit. An die Stelle expliziter Zeichen des Verfalls tritt die fragile Schönheit des Lebens selbst.

  • Ed Ruscha
  • A Particular Kind of Heaven, 2016
  • Ausstellungsplakat, 61 x 91 cm
  • Fine Arts Museum of San Francisco

Natur zwischen Mythos und Realität

Das Bild zeigt einen weiten, farbintensiven Horizont bei Dämmerung über dem Meer. Im Vordergrund stehen in weisser Farbe die Worte «A PARTICULAR KIND OF HEAVEN», gesetzt in der von Ruscha selbst entworfenen Schrift «Boy Scout Utility Modern», deren kantige Form an das berühmte Hollywood Sign erinnert. Das technicolorartige Panorama in Wide-Screen-Komposition lässt an die Ästhetik der Hollywoodfilme aus den 1950er-Jahren denken und verweist auf unsere übersetzte, medial geprägte Wahrnehmung der Natur, die im kollektiven Bewusstsein häufig als filmische Kulisse verankert ist. Das Ausstellungsplakat greift das ikonische Gemälde «A Particular Kind of Heaven» (1983) auf, in dem das komplexe Wechselspiel zwischen der idealisiert dargestellten amerikanischen Landschaft und der symbolisch aufgeladenen Welt Hollywoods verhandelt wird. Seit den 1970er-Jahren entwickelte Ruscha seine charakteristischen Wort-Bilder, darunter Arbeiten wie Skizzen zum 20th Century Fox Logo oder «Spam Study». Durch die visuelle Übersteigerung banaler Begriffe und Markenlogos erzeugt er hyperreale Momente, in denen Sprache eine fast physische Wirkung entfaltet. Diese typografischen Bilder nehmen innerhalb der Pop-Art eine besondere Stellung ein. Der in «A Particular Kind of Heaven» dargestellte Himmel bewegt sich zwischen cineastischer Inszenierung und realer Naturerfahrung. Einerseits hinterfragt das Werk die manipulative Kraft medialer Bilder, andererseits öffnet es den Blick für die grundlegende Frage, wie wir Natur wahrnehmen – und inwiefern diese Wahrnehmung bereits kulturell vorgeprägt ist.

Ed Ruscha (*1937) wurde in Oklahoma City geboren und zog 1956 nach Los Angeles, um am Chouinard Art Institute (heute CalArts) zu studieren. Die von der Filmindustrie geprägte Stadt wurde zu einem zentralen Bezugspunkt seines Schaffens, das über die amerikanische Topografie hinaus globale urbane Lebenswelten reflektiert. Internationale Bekanntheit erlangte er unter anderem mit seinen Fotobüchern, etwa «Twentysix Gasoline Stations» (1963), einer nüchternen Bildserie von Tankstellen entlang der Route 66. Seine Werke wurden weltweit in grossen Retrospektiven gezeigt, unter anderem im Whitney Museum of American Art (New York), im Getty Center (Los Angeles) sowie in Museen in London, Paris und München. 2006 vertrat Ruscha die USA im Pavillon der 51. Biennale von Venedig. Er ist Mitglied der American Academy of Arts and Letters und erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter ein Guggenheim-Stipendium (1971).

  • Raw Color Studio
  • Solids & Strockes - Reds
  • Pigmentdruck (Giclée) auf Naturpapier, 42 x 29.7 cm

Architektur der Farbe

Raw Color ist ein multidisziplinäres Designstudio mit Sitz in Eindhoven, das 2007 von Daniera ter Haar und Christoph Brach gegründet wurde. International bekannt wurde das Studio durch seinen experimentellen Umgang mit Farbe, Material und deren Taktilität. Der Name geht auf frühe visuelle Untersuchungen von Gemüse und deren Farbigkeit zurück – Die Ergebnisse dieser Forschungsreihe wurden in Ausstellungen präsentiert und legten den Grundstein für die gemeinsame gestalterische Praxis.

Für Raw Color ist Farbe kein dekoratives Attribut, sondern autonome Materie. Sie begreifen Farbe als gestaltende Kraft, die Räume strukturiert, die Wahrnehmung lenkt und Atmosphären formt. In ihren Arbeiten wird Farbe zum architektonischen Element: Durch präzise gesetzte Proportionen und die bewusste Ausrichtung von Farbflächen entstehen Kompositionen, die über das Zweidimensionale hinausweisen und eine spürbare räumliche Dynamik erzeugen. Ein zentrales Prinzip ist das Arbeiten mit Überlagerung und Transparenz. Durch das Schichten von Farben entstehen neue, hybride Töne – optische Mischungen, die den Entstehungsprozess sichtbar machen und den Werken Tiefe verleihen. Kontraste in Helligkeit und Sättigung aktivieren die räumliche Wirkung der Farbe. Jede Nuance definiert sich durch ihre Nachbarschaft; im Zusammenspiel beginnen die Flächen zu schwingen.

   

  • Flaschengarten Erlenmeyer’s Jungle
  • Fittonien, Moos, Bergpalme, Kaffeepflanze und Spargelfarn in handgefertigtem Glas aus recyceltem Eco-Glas32 × 29 cm
  • Flaschengarten Biosphere 3
  • Fittonien, Moos, Ficus Bonsai und Farn in handgefertigtem Glas aus recyceltem Eco-Glas, 27,5 x 27,5 cm

Grüne Stille im Glas

Die Geschichte des Terrariums nahm 1827 im industriellen London ihren Anfang, als der Botaniker Nathaniel Bagshaw Ward entdeckte, dass Farne und Moose in einem verschlossenen Glasgefäss besser gedeihen als in der belasteten Aussenluft. Aus dieser Beobachtung entwickelte sich der Ward’sche Kasten, ein autarkes Mini-Ökosystem mit eigenem Mikroklima. Ursprünglich als wissenschaftliches Hilfsmittel konzipiert, revolutionierte er im 19. Jahrhundert den globalen Pflanzentransport und ermöglichte erstmals das erfolgreiche Verschiffen empfindlicher Pflanzen über weite Distanzen. Im viktorianischen Zeitalter fand der Kasten seinen Weg aus den Laboren in die Salons und wurde zum beliebten bürgerlichen Hobby, befeuert durch die sogenannte Pteridomanie, der damaligen leidenschaftlichen Begeisterung für Farne. Dieses Prinzip wirkt bis heute fort: Moderne Terrarien verbinden Wissenschaft, Gestaltung und Naturerfahrung auf kleinstem Raum.

Unsere in der Klinik ausgestellten Flaschengärten stammen von der Firma Green Bubble, gegründet von Mariska Beirne. Die handgefertigten Gläser aus recyceltem Eco-Glas vereinen botanische Kompositionen mit originellen Konzepten und verleihen den Arbeiten eine meditative Qualität. Der Flaschengarten Erlenmeyer’s Jungle verdankt seinen Namen der charakteristischen Form des Glases, die an einen Erlenmeyer-Kolben erinnert. Durch die Bepflanzung mit Fittonien, Moosen, Farnen sowie höheren Pflanzen wie der Bergpalme, der Kaffeepflanze und dem Spargelfarn entsteht der Eindruck eines dichten, kleinen Dschungels. «Biosphere 3» ist eine verkleinerte Fortführung des NASA-Projekts «Biosphere 2», bei dem in Arizona der Versuch unternommen wurde, ein autarkes Ökosystem zu schaffen. Die Komposition zeigt eine Miniatur-Landschaft aus Fittonien, Moos, einem Ficus-Bonsai und Farnen.

  

  • BlauesZebraStudios
  • Pink Pinie & Pinie Chocolat, 2026
  • Siebdruck auf Papier, 40 x 50 cm

Rasterpoesie: Die Dinge neu sehen

In ihren Werken untersucht Karlu die formale und strukturelle Eigenschaft von Alltagsgegenständen und Naturobjekten. Gläser, Geschirr oder Textilien sowie Naturformen wie Pinienzapfen dienen ihr beispielsweise als Motive, die sie aus ihrem ursprünglichen Kontext herauslöst und in eine reduzierte grafische Bildsprache überführt. Punkte, Linien und Flächen bilden dabei die grundlegenden Gestaltungselemente.

Charakteristisch für ihre Siebdrucke ist die deutlich sichtbare Rasterstruktur. Die für den Siebdruck charakteristische Rastertechnik der Punktverteilung, die Schatten sowie dreidimensionale, abgestufte Hell-Dunkel-Verläufe des fotografischen Bildes druckgrafisch übersetzt, nutzt die Künstlerin gezielt als eigenständiges grafisches Gestaltungsmittel. Die konzentrierte, minimalistische Formsprache von Karlu entwickelt sich aus der bewussten Reduktion der Motive und der Verwendung einer monochromen Farbpalette.

Die Künstlerin Melanie Karlu gründete die BlauesZebraStudios 2024 in Stuttgart. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf grafischen Drucktechniken, insbesondere dem Siebdruck.

  • Anni Albers
  • Study for Triadic II
  • Lithografischer Vierfarb-Offsetdruck auf G.F Smith Max Matt Ultra White 250 g/m² 
  • 86,5 x 67,4 cm

Geflochtene Landschaften

In der als Entwurf für eine Wandtapete entstandenen Farbstudie «Triadic II» hat Albers lediglich drei Farben – Grau, Grün und Sand – zum Einsatz gebracht. Auf einer grünen Fläche sind graue und sandfarbene Dreiecke in scheinbar unsystematischer Reihenfolge und in aufrechter und kopfstehender Ausrichtung über die gesamte Bildfläche verteilt. Durch die wechselnden Farbkontraste entstehen rhythmische, sich wiederholende, alternierende Muster, die an textile Strukturen oder Raster erinnern, wie sie durch das Geflecht von Kett- und Schussfäden in der Weberei entstehen. Anni Albers entwickelte ihre zentralen Farb- und Materialkonzepte, wie sie auch in «Study for Triadic II» sichtbar werden, während ihrer Zeit am Bauhaus in den 1920er-Jahren. Mittels einer neuartigen Verbindung von traditioneller Webkunst und modernistischer Abstraktion macht sie die Farbwirkung in ihren Arbeiten auf taktile Weise erfahrbar. Muster und Farbeffekte, wie sie in der Webtechnik durch die Verbindung der Längs- und Querfäden entstehen, sind bei ihr stets konstruktiver Teil der Komposition. Ausgehend von der Ästhetik der Webkunst, in der die Farbwirkung aus einer untrennbaren Einheit der materiellen Beschaffenheit des Webfadens und der strukturellen Organisation im Webprozess erwächst, thematisiert die Druckgrafik «Study for Triadic II» die textile Sinnlichkeit mit einem anderen Medium. Häufig verwendete Albers eine Palette aus Erdtönen wie Ocker, Moosgrün, Terrakotta und Sand, inspiriert von den Landschaften Mexikos und präkolumbianischen Textilien.

Als Künstlerin, Designerin und Lehrerin prägte Anni Albers (1899-1994) das Verständnis von Textil als eigenständiges Medium der modernen Kunst. Nach der Schliessung des Bauhauses emigrierte sie 1933 mit ihrem Mann Josef Albers in die USA und lehrte am experimentellen Black Mountain College. 1949 widmete ihr das Museum of Modern Art in New York die erste museale Einzelausstellung einer Textilkünstlerin.